Krankheiten. Weisheit eines Lehrers

 Ein Wanderer fragte einen Lehrer:

-Sagen Sie bitte, was hält eine Krankheit aufrecht?

-Gedanken… - bekam er zur Antwort.

-Und warum denken die Menschen so viel über ihre Krankheiten nach?

-Weil sie sie brauchen… - lächelte der Lehrer.

-Brauchen die Menschen wirklich ihre Krankheiten? Wozu denn? – staunte der Wanderer.

-Um der Alltagshektik zu entkommen. Und dem, was man nicht machen will.

 Der Wanderer verstummte und dachte über das Gehörte nach.

-Doch wenn die Menschen Ärzte besuchen, bedeutet das, dass sie ihre Krankheiten doch loswerden wollen – ließ sich der Wanderer mit Zweifel in seiner Stimme vernehmen.

-Sie wollen unangenehme Symptome loswerden, - sagte der Alte achselzuckend. – Und nicht die Krankheiten, die sie vor sich selber schützen…

-Vor sich selber… - echote der Wanderer. Er schüttelte den Kopf und fragte:

-Und kann man sich nicht irgendwie effektiver beschützen?

-Klar kann man das… Doch dazu muss man sein Leben ändern.

-Wie?

-Bereits während der Krankheit alles Unliebsame verlassen und sich dem nähern, womit man sich beschäftigen möchte und was Spaß macht, Spaß bei der Arbeit, im Hobby, im Haushalt…

Dann verwandelt sich die Krankheit aus einem Helfer in etwas Nutzloses und Störendes und beginnt sich folglich abzuschwächen …

Doch es ist kompliziert, das Leben zu ändern…

Einfacher ist es, krank zu sein…

Und, nachdem ein kundiger Arzt gefunden wurde, von Zeit zu Zeit der Erholung zu frönen, gleichzeitig aber immer tiefer in die Krankheit einzutauchen…

 -Hm… - Der Wanderer wurde nachdenklich.- Und was würden Sie dazu Ärzten empfehlen?

 -Sich nicht auf die Folgen zu konzentrieren, sondern die Ursachen zu ermitteln. Und die Menschen zu Änderungen zu motivieren, ohne Rücksicht auf ihre verbitterte Unzufriedenheit und gewaltigen Widerstand.

-Und wenn die Ärzte dies nicht können?

-Dann sollten sie eben lernen, wenn sie zu Heilern werden wollen, die Schicksale zu ändern, - lächelte der Lehrer. – Es ist einfacher, bequemer und gewinnbringender, ein Heiler der Symptome zu sein… Doch auf diesem Wege erlischt früher oder später der Sinn des Heilberufs und die Freude an der Arbeit verschwindet.

 Er hielt für einen Augenblick inne und schloss ab:

  • Und am Ende des Lebens wird man nicht einmal etwas haben, was sich lohnen würde, erinnert zu werden.
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