Die Farben unseres Lebens 1

Einiges über die Psychologie der Farben

Dass die Farben auf Menschen einwirken können, das war schon seit Menschengedenken bekannt. Eine Farbe kann einen Menschen harmonisieren und seine Ressourcen mobilisieren, kann andererseits ihn aber auch schwunglos und passiv machen bzw. durcheinanderbringen. Gelehrte sind zur Schlussfolgerung gekommen, dass jede Farbschattierung ungefähr gleich auf unterschiedliche Organismen einwirkt und eine charakteristische Verschiebung im aktuellen Zustand eines Bio-Systems auslöst. Die Einwirkung der Farbe auf die Psychophysiologie stellt ein gesamtkulturelles Phänomen dar, rassen- und kulturbedingte Besonderheiten haben auf diesen Prozess keinen Einfluss. Sowohl ein Afrikaner als auch ein Europäer werden sagen, wenn sie ein orangenfarbenes Zimmer betreten haben, dass es „warm“ ist, und ein blaues Zimmer bezeichnen sie als „kalt“.

In der Mitte vorigen Jahrhunderts entwickelte der schweizerische Psychologe Max Lüscher ein Testverfahren, mit dessen Hilfe man anhand von Farben, die eine Testperson bevorzugt, ihren emotionalen Zustand und die typischen Züge ihrer Persönlichkeit genau bestimmen kann. Die Forschungen der russischen Psychologen W.F. Petrenko und W.W. Kutscherenko zeugen ebenfalls von einem tiefen Zusammenhang zwischen psychologischen Besonderheiten des Menschen und den Farben, die ihm gefallen. Wenn ein Mensch voller Zuversicht ist, wählt er mit Energie geladene Farben (gelb und rot), wobei er nicht selten die Farben ablehnt, die Ruhe und Zufriedenheit (blau und braun) sowie das Nicht-Dasein symbolisieren. Hat ein Mensch ein Schuldgefühl, lösen helle Farben wie Rot und Gelb bei ihm Abstoßung aus, und er wählt eine Kombination von Grau und Blau. Das sind nur einzelne Beispiele, es wurden sogar ganze Testsysteme entwickelt, die, wie man sich leicht überzeugen kann, viel umfassender und ausgeklügelter und darüber hinaus auch noch viel deutlicher sind. Doch in unserem Artikel wird es sich nicht so sehr darum handeln, was sich über diese oder jene Farben sagen lässt, die uns gefallen, sondern vielmehr darum, wie wir eine Farbe und ihre verborgenen und offenen Botschaften und Wirkungen in unserer Lebenstätigkeit einsetzen können.

Wenn wir uns gut darin auskennen, wie verschiedene Farben auf die menschliche Psychophysiologie einwirken, können wir dies zu geschäftlichen und lebensalltäglichen Zwecken einsetzen. Werbefachleute sind in Sachen Farben und all ihren zahlreichen Schattierungen schon längst Gurus geworden. Zuckerproduzenten bspw. wissen, dass grüne Verpackungen für ihr Produkt völlig ungeeignet sind, weil Grün als Farbe „sauer“ empfunden wird.

Das Vorherrschen einer Farbe (bzw. einer Farbenkombination) in einem Rauminneren schafft ein bestimmtes emotional-geschäftliches Ambiente. Nur wenige Geschäftsleute sind sich darüber im Klaren, dass die Farbenpalette eines Büros auf das Bewusstsein der Menschen, darunter auch auf das Bewusstsein der Büroangestellten und auf die Auswahl der Kunden einwirkt, dass ferner die Farbenauswahl bei der Gestaltung des Verhandlungsraums die Verhandlungen selbst beeinflusst. Ich kenne einen Großunternehmer, dessen Verhandlungsraum folgendermaßen aussah: Die Wände waren grellrot gestrichen, an den Wänden standen schwarze Samtsofas. Das ist eine in höchstem Maße danebengeratene Gestaltung eines Raums. Rot signalisiert unterbewusst Gefahr, Aggression, Überstürzung, Leidenschaftlichkeit. In einem solchen Raum ist es unmöglich, ein intellektuelles Gespräch zu führen und dem Gesprächspartner Vertrauen einzuflößen. Hellblau hingegen eignet sich für solche Verhandlungsräume nahezu ideal, weil es eine bessere Informationsverarbeitung und Aneignung sowie die Anknüpfung freundschaftlicher Beziehungen fördert. Das ihm nahestehende Blau hat eine entgegengesetzte Wirkung: Durch die Entspannung, die es hervorruft, wird die Aufmerksamkeit zerstreut, und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten sinkt. Deswegen ahnen viele Unternehmensleiter nicht mal, worauf ein steiler Rückgang der Unternehmensgewinne und eine Verschlechterung der Arbeitsqualität der Belegschaft zurückzuführen ist.

Positiv wirkt sich auf die Arbeitsfähigkeit eine Kombination von Rot und Blaugrün aus. Wenn aber eine Tätigkeit eine tiefe Konzentration erfordert, geht es ohne Rot viel besser. Gelb bzw. Gelbgrün kombiniert mit Orange lässt Müdigkeit verfliegen, und Gelb beeinflusst darüber hinaus die Gehirnaktivitäten positiv. Dabei ist es wichtig, diverse Faktoren zu berücksichtigen: womit befassen sich die Beschäftigten genau, was ist die Zielgruppe des Unternehmens, d.h., bezogen auf Geschlecht, Alter, sozialer Status dieser Menschen; darüber hinaus soll man sich darüber im Klaren sein, was die Kunden an Ihrem Unternehmen attraktiv finden, ihre Erwartungen kennen und diese mit Hilfe der Farben verstärken.

Wenn Sie darüber nachdenken und die Farbwirkung kennen, werden Sie klar verstehen, wie man mit deren Hilfe ein für Sie passendes Ambiente schaffen kann.

Sie sollen auch beachten, wo Sie eine Farbe einsetzen wollen: Blau entspricht tiefgründigen Überlegungen, Meditation, und an der Kleidung symbolisiert Blau Selbstsicherheit. Daher können Sie sich ruhig blaue Kleidungsstücke anziehen, wenn Sie den Eindruck eines starken, von sich selber überzeugten Menschen machen möchten. Die Farbempfindung ist ein mehrdimensionaler, man könnte sogar sagen, tief persönlicher Prozess. Mehr noch, die Farbempfindung eines Menschen verändert sich ständig, indem sie Veränderungen widerspiegelt, die er selbst erfahren hat, sowie die Lebenssituationen, mit denen er fertig werden muss. Doch ungeachtet des individuellen Charakters jedes einzelnen Bewusstseins zeigen sich zweifellos auch gemeinsame einheitliche Wesensmerkmale der Farbwirkung bei der Mehrheit von uns. Nachstehend geben wir die wichtigsten Charakteristika der Farbwirkungen an:

Fortsetzung hier.

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