Gestohlener Geldbeutel

GLEICHNIS „GESTOHLENER GELDBEUTEL“

Einmal hat ein Bauer bemerkt, dass ihm sein Geldbeutel samt Geld abhandengekommen ist. Nachdem er sein ganzes Haus durchsucht und seinen Geldbeutel nicht gefunden hatte, kam er zum Schluss, dass ihm sein Beutel gestohlen worden sein musste. Während der Bauer all diejenigen Revue passieren ließ, die in letzter Zeit bei ihm zu Hause vorbeigekommen waren, glaubte er plötzlich, den Dieb zu kennen. Der Verdacht fiel auf den Sohn eines Nachbarn. Der Junge hatte bei ihm gerade kurz vor dem Verschwinden des Geldbeutels vorbeigeschaut, und niemand anderes also konnte diesen Diebstahl verübt haben.

Als der Junge dem Bauern dann eines Tages begegnete, fand er an seinem Verhalten viele Bestätigungen für seinen Anfangsverdacht. Der Knabe war sichtlich verwirrt, wandte den Blick ab und sah überhaupt wie ein Hund aus, der etwas ausgefressen hat. Kurz gesagt verriet jede seiner Gesten und Bewegungen den Dieb an ihm. Doch der Bauer hatte keine direkten Beweise gegen den Jungen in der Hand und wusste daher nicht, was er da machen sollte. Doch von Mal zu Mal, wenn sie sich wieder mal begegneten, hatte der Junge ein zunehmend schuldhaftes Aussehen, während sich der Bauer immer mehr ärgerte.

Sein Zorn wurde schließlich so groß, dass er beschloss zu dem Vater des Diebes zu gehen und ihn in aller Form anzuklagen. Da rief ihn aber seine Frau.

Schau mal, was ich hinter dem Bett gefunden habe, — sagte sie und reichte ihm den verschwunden geglaubten Geldbeutel mit Geld darin.

Am nächsten Tag schaute sich der Bauer den Sohn des Nachbarn wieder an. Doch diesmal glich der weder was seine Gesten noch seine Bewegungen angeht, keinesfalls einem Dieb.

PS: Der Mensch sieht an anderen ihn umgebenden Menschen das, was er eben sehen will. Die ganze Welt um uns herum ist ein Spiegel. Je nachdem, wie wir sie empfinden, werden im Gegenzug auch wir dementsprechend empfunden. Seien Sie etwas gutherziger der Welt gegenüber und die Welt wird es auch Ihnen gegenüber sein.

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